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Fairer Handel mit Kaffeebohnen

Kaffeebauer in der ZwickmühleGlaubt man manchen Politikern, so ist der Welthandel ein Segen für die Menschheit. Für die meisten Bauern in Entwicklungsländern ist er jedoch ein Fluch. Fairer Handel ändert die Spielregeln.

Ein Pfund Marken-Kaffee für 2,99 Euro: Das Lieblingsgetränk der Deutschen ist billig. Tödlich billig. Tausende von Kaffeebauern in Mittelamerika und Afrika haben in den letzten Monaten ihre Existenz verloren und können ihre Familie nicht mehr ernähren. Der Preis, den sie für die Kaffeebohnen bekamen, deckte nicht einmal mehr die Produktionskosten. Außer Schulden ist diesen Menschen nichts geblieben.

Seit drei Jahren wird Kaffee an den internationalen Rohstoffbörsen immer billiger gehandelt. Ein Pfund Bohnen der Sorte Arabica kostet 50 bis 60 Cent, Robusta-Bohnen, die hauptsächlich in Afrika und Brasilien angebaut werden, schon für die Hälfte. Die Preise, die Kleinbauern von Zwischenhändlern für ihre Bohnen erhalten, liegen noch deutlich unter diesen Notierungen. Zu wenig zum Überleben.

Kaffee ist nach Erdöl der weltweit wichtigste Export-Rohstoff. Über 100 Millionen Menschen leben von der Produktion und Verarbeitung der Kaffeebohnen, die in 76 Ländern der so genannten „Dritten Welt“ angebaut werden. Weil das Angebot in den letzten Jahren stärker gewachsen ist als die Nachfrage, sind die Preise im Keller. Doch bereits vor diesem Preisverfall führten viele Kaffeebauern ein Leben in Armut, auf kleinen Grundstücken, abhängig von den Launen des Weltmarktes und ohne soziale Absicherung.

Christliche Motive. Solche Verhältnisse zu ändern, ist das Anliegen des Fairen Handels, auf Englisch „fair trade“. Als dessen Geburtsstunde gilt die Gründung der niederländischen Organisation Stichting SOS Wereldhandel im Jahr 1967. 1970 übernahmen erste Gruppen in Deutschland dieses Modell des alternativen Handels. Fünf Jahre später gründeten kirchliche Organisationen das Fair-Handelshaus Gepa (siehe Kasten), bis heute einer der wichtigsten Akteure des Fairen Handels in Deutschland. Ende der 80er Jahre entstanden zudem Zertifizierungsorganisationen wie TransFair (siehe Kasten). Sie garantieren, dass die mit ihrem Logo ausgezeichneten Produkte tatsächlich fair gehandelt wurden.

Auf eine einheitliche Definition einigten sich die internationalen Organisationen 1999 im Rahmen ihres Dachverbandes IFAT (International Federation of Alternative Trade). Für die IFAT ist demnach Fairer Handel „ein alternativer Ansatz zum konventionellen internationalen Handel. Er ist eine Handelspartnerschaft, die eine nachhaltige Entwicklung für ausgeschlossene und benachteiligte ProduzentInnen anstrebt. Er versucht dies durch Gewährung besserer Handelsbedingungen, durch Bewusstseinsbildung und Kampagnen.“

Zu den Zielen des Fairen Handels gehören kontinuierliche Handelsbeziehungen, die Stärkung der Produzentenorganisationen und ein respektvoller Umgang mit den Partnern im Süden. Ein unverzichtbarer Teil des Fairen Handels ist die Bildungsarbeit in den Industrieländern. Sie soll die Verbraucher über die negativen Auswirkungen des internationalen Handels aufklären und gleichzeitig mit Hilfe von Kampagnen die Regeln und Praktiken dieses Handels ändern.

Aufschlag für soziale Projekte. Das Beispiel Kaffee zeigt, wie diese Ansprüche in der Praxis umgesetzt werden: An den Kaffeebörsen werden für 100 amerikanische Pfund (45,3 Kilogramm) Arabica-Bohnen 50 bis 60 Dollar bezahlt, von denen ein Großteil von Zwischenhändlern kassiert wird. Im Fairen Handel müssen die Kaffeeröster die ungerösteten grünen Bohnen direkt von den Kleinbauern-Organisationen kaufen. Diese bekommen für 100 Pfund 126 US-Dollar. Der Preis ist international einheitlich festgelegt, ebenso ein Zuschlag von 5 Dollar je 100 Pfund, der in soziale Projekte investiert wird, die den Produzenten direkt zugute kommen. Über die Verwendung entscheidet die Kleinbauern-Organisation, an deren demokratische Struktur ebenfalls strenge Anforderungen gestellt werden.

Für Bio-Kaffee erhalten die Bauern einen zusätzlichen Aufschlag von 15 Dollar je 100 Pfund. Festgelegt ist auch, dass Kaffeeröster und Bauern langfristige Verträge abschließen müssen und die Röster einen Teil der Ernte vorab bezahlen. Für das TransFair-Logo zahlen die Röster 0,10 Euro pro 500-Gramm-Päckchen als Lizenzgebühr. Dieses Geld wird verwendet, um die Kosten der Zertifizierung zu decken und Bildungsarbeit zu leisten. Die Kriterien für andere fair gehandelte Lebensmittel wie Tee, Kakao, Bananen oder Orangensaft sind ähnlich. Bei typischen Plantagenprodukten wie Tee müssen die Unternehmen sich verpflichten, bestimmte Sozialstandards wie existenzsichernde Mindestlöhne einzuhalten. Der jeweilige Aufschlag auf den Fair-Handels-Preis muss den Arbeitern zugute kommen, die über dessen Verwendung mit entscheiden.

Fair plus Bio. Fair gehandelte Produkte gibt es auch im Bio-Laden. Schließlich war die Idee des fairen Handels von Anfang an Bestandteil der Naturkostbewegung. Allerdings hat sie dabei ihre eigenen Wege und Logos entwickelt. Das TransFair-Zeichen ist deshalb im Naturkostladen eher selten. Er findet sich auf Produkten der Gepa, auf einigen Kaffees und Tees der Firma Lebensbaum, auf Tees von Cha Dò sowie gelegentlich auf Bananen. Dafür stößt der Verbraucher etwa bei Produkten von Rapunzel auf ein Hand-in-Hand-Logo, findet ein Eco&Fair-Siegel auf vielen Tees und liest auf mancher Verpackung einen allgemeinen Hinweis auf fairen Handel, ohne dass dies mit einem Logo verknüpft ist. Diese Vielfalt mag auf den ersten Blick verwirrend erscheinen, ist aber erklärlich.

In den 80er Jahren begann die Bio-Branche, verstärkt nach Kaffee, Tee und anderen Produkten aus den Ländern des Südens in Bio-Qualität zu suchen. Die meisten Fair-Handels-Produkte gab es damals nur aus konventionellem Anbau. Denn für den Fairen Handel stand das Überleben sichernde Einkommen an erster Stelle, nicht die Art des Anbaus. Also begannen die Bio-Hersteller, selbst Projekte aufzubauen, kümmerten sich um Beratung und Zertifizierung ihrer Lieferanten. Diese partnerschaftliche Art des Handels erfüllte einige Forderungen des Fairen Handels wie langjährige Verträge oder Hilfe beim Marktzugang und umfasste meist auch Preise, die deutlich über den konventionellen lagen. Eine Notwendigkeit, sich und ihre Partner von den Ende der 80er Jahre entstandenen Fair-Handels-Organisationen zertifizieren zu lassen, sahen die meisten dieser Bio-Hersteller aber nicht.

Somit finden sich Fair-Handels-Partnerschaften bei einigen traditionellen Naturkostfirmen, ohne dass sie dies nach außen tragen, auch wenn sie sich stark sozial engagieren. So hat etwa Lebensbaum in Zusammenarbeit mit seinen mexikanischen Partnern den Aufbau einer Schule für Kinder und Erwachsenenbildung gefördert.

Ein Hersteller, der für seine Partnerschaften feste Regeln aufgestellt hat und diese auch nach außen kommuniziert, ist Rapunzel mit den Hand-in-Hand-Projekten. Das Unternehmen garantiert seinen Partnern langfristige Zusammenarbeit, Abnahmegarantien, faire Produktpreise und Beratung. Die Partner verpflichten sich zu menschenwürdigen Arbeitsbedingungen, sozialer Absicherung der Mitarbeiter und Transparenz der Mittelverwendung. Zusätzlich wird ein Prozent des Warenwertes in einen Fonds eingezahlt, aus dem soziale und ökologische Projekte überwiegend in den Ländern der acht Hand-in-Hand-Partner gefördert werden. Kaffee, Schokolade, Zucker, Kokos- und Kakaoprodukte sowie Quinoa und Paranusskerne von Rapunzel tragen das Hand-in-Hand-Zeichen.

Gaskocher für die Arbeiter. Einen anderen Weg gingen vor einigen Jahren die Tee-Anbieter Oasis, Heuschrecke und Ökotopia. Sie wurden Mitglied im Verein Eco&Fair und bezahlen seither pro Kilogramm Tee 1,5 Euro in einen Fonds. Mit dem Geld wird ein Projekt zur Förderung des Bio-Tee-Anbaus in China finanziert. Darüber hinaus unterstützen manche Anbieter mit Aktionen einzelne Teegärten. So sammelte etwa Oasis 1997 durch einen befristeten Aufschlag von fünf Mark je Kilogramm 85.000 Mark, um alle Arbeiterfamilien im Teegarten Pussimbing mit Gaskochern auszurüsten.

Das Engagement mancher altgedienter Naturkosthersteller im fairen Handel sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass für viele Bio-Produkte aus Entwicklungsländern kein Fair-, sondern nur ein Bio-Aufschlag gezahlt wird. Der beträgt zehn bis 20 Prozent vom Weltmarkt-Preis und dient dem Ausgleich von Minderertrag und Mehrarbeit aufgrund der biologischen Anbaumethoden, hat aber keine entwicklungspolitische Bedeutung. Mit dem Wachstum des Bio-Marktes und dem Preisdruck auf Bio-Lebensmittel hat die Bedeutung des Fairen Handels abgenommen. Zudem fühlen sich viele konventionelle Unternehmen, die jetzt erst in den Bio-Markt einsteigen, mehr der Gewinnmaximierung als den Prinzipien des Fairen Handels verpflichtet.

Wie viel ist fair? Schwierig ist eine Antwort auf die Frage, was faire Preise sind. Die Fair-Handels-Organisationen haben ihre Preise unter Beteiligung von Produzenten und Entwicklungsfachleuten festgelegt. „Wichtig ist, dass die Bauern mit diesen Preisen zurechtkommen, dass nicht nur die Produktionskosten gedeckt sind, sondern auch die Arbeit bezahlt wird und genug Gewinn bleibt, um zu investieren und soziale Entwicklung voran zu bringen“, sagt Claudia Brück, die Pressesprecherin von TransFair. Und Barbara Altmann von Rapunzel ergänzt: „Bei uns liegen die gezahlten Preise in der Größenordnung der Fair-Handels-Organisationen, für Vollrohrzucker sogar etwas höher.“ Seit 2001 ist Rapunzel von der FLO (Fairtrade Labelling Organization; siehe Kasten) als Händler für Fairtrade-Zucker und Fairtrade-Kakao anerkannt.

Bei Kaffee zahlt Rapunzel nicht den vollen TransFair-Preis, aber immer noch rund das Doppelte des Weltmarktpreises. Andere Anbieter liegen in einer ähnlichen Größenordnung, etwa Lebensbaum mit denjenigen Kaffees, die nicht das TransFair-Siegel tragen. Es gibt aber auch Kaffeeröster, die für Bio-Kaffee deutlich weniger zahlen. Kaffee zu TransFair-Preisen würden die Verbraucher nicht kaufen, lautet die offenherzige Begründung eines solchen Anbieters.

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